Wenn es zu einem Notfall kommt, vergehen oft quälend lange Minuten, bevor Hilfe am Unglücksort eintrifft. Aber was passiert eigentlich genau in der Zeit zwischen Notruf und dem Eintreffen der Einsatzkräfte? Und wie lange dauert es in der Regel wirklich?



Das möchten wir im Folgenden an einem beispielhaften Einsatzablauf erklären.

Brandausbruch

Brandausbruch in einem Einfamilienhaus. Das Feuer beginnt als Schwelbrand in der Verkabelung einer verwitterten Steckdose auf dem Dachboden des Gebäudes. Da sich im Raum kein Rauchmelder befindet, bleiben der Brandausbruch und die einsetzende Rauchentwicklung zunächst unbemerkt.

3,5 Minuten seit Brandausbruch

So lange dauert es regelmäßig, bis ein Brand entdeckt und ein Notruf begonnen wird. Dies hat die Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren ermittelt. Erst jetzt hat sich der Brandausbruch durch starken Geruch und durch die Tür tretenden Brandrauch in der Wohnung bemerkbar gemacht. Der Bewohner greift zum Telefon und wählt den europaweit einheitlichen Notruf 112.
Wer im Kreis Steinfurt diese Nummer wählt, wird mit der Kreisleitstelle in Rheine verbunden. Von dort aus werden alle Feuerwehr- und Rettungsdienst-Einsätze im Kreis koordiniert. Der Anrufer meldet dem Disponenten das Notfallereignis: Wo ist etwas passiert? Was ist passiert? Wie viele Personen sind verletzt oder in Gefahr? Wer meldet? Anschließend wartet er auf Rückfragen der Leitstelle. Aus den Angaben des Anrufers ermittelt der Einsatzleitrechner automatisch die zu alarmierenden Einheiten. Für die Gesprächs- und Dispositionszeit sind 1,5 Minuten eingeplant.

5 Minuten seit Brandausbruch

Alarmierung. Erst in diesem Moment, fünf Minuten nach Brandausbruch, also etwa anderthalb Minuten nach seiner Entdeckung, werden die Einsatzkräfte der Feuerwehr (oder des Rettungsdienstes) per Funkmeldeempfänger alarmiert.
Die Stadt Horstmar besitzt, wie die meisten Städte und Gemeinden in Deutschland, eine Freiwillige Feuerwehr, die ausnahmslos aus ehrenamtlichen Kräften besteht. Das heißt: Niemand hält sich tagsüber oder in der Nacht an einem der Gerätehäuser bereit, um sofort zu einem Einsatz auszurücken. Stattdessen gehen alle knapp 100 Mitglieder der Feuerwehr ihren Berufen nach, studieren oder besuchen die Schule. Erst bei einer Alarmierung begeben sich die Feuerwehrleute zum Gerätehaus. Das kostet Zeit.
Damit die Hilfe im Notfall trotzdem möglichst schnell vor Ort sein kann, dürfen die Feuerwehrleute auf dem Weg zum Gerätehaus unter strengen Voraussetzungen bestimmte Sonderrechte im Straßenverkehr in Anspruch nehmen. Beispielsweise dürfen sie die zulässige Höchstgeschwindigkeit in Maßen überschreiten oder Halteverbote missachten, soweit dies erforderlich und verhältnismäßig ist. Allerdings dürfen auf den privaten PKW keine Blaulichter angebracht sein, sodass für andere Verkehrsteilnehmer kaum erkennbar ist, dass ein Mitglied der Feuerwehr auf dem Weg zur Unterkunft ist.

9 Minuten seit Brandausbruch

Am Tage dauert es in der Regel rund vier Minuten, in der Nacht etwas weniger, bis genügend Mitglieder der Feuerwehr das Gerätehaus erreicht, sich umgezogen und eines der Einsatzfahrzeuge besetzt haben. Das sind kaum zwei Minuten mehr als eine Berufsfeuerwehr in Deutschland zum Ausrücken benötigen darf (Referenz: Berufsfeuerwehr Essen, 2 Minuten).
Ein großes Problem dabei ist aber die Tatsache, dass viele Berufstätige an Werktagen tagsüber nicht am Wohnort, sondern außerhalb arbeiten. Das macht es in den letzten Jahren für die meisten freiwilligen Feuerwehren schwer, in so kurzer Zeit genügend Einsatzkräfte vor Ort zu haben.

13 Minuten seit Brandausbruch

Acht Minuten seit der Alarmierung. Spätestens in diesem Moment soll der Anrufer aufatmen können, denn zehn Einsatzkräfte müssen das brennende Wohnhaus jetzt erreicht haben. Fünf Minuten später müssen mindestens sechs weitere Kräfte vor Ort sein. Um diese Schutzziele (Hilfsfristen) in über 90% der Einsätze sicherstellen zu können, werden die beiden Löschzüge (Horstmar und Leer) zu den meisten Einsätzen gleichzeitig gerufen.




Die Zeitangaben basieren auf der planmäßigen Schutzzieldefinition für das standardisierte Schadenereignis "Kritischer Wohnungsbrand" der AGBF Bund
Text: Bienbeck
Bilder: Feuerwehr Horstmar; Kreis Steinfurt
 

Letzter Einsatz

Verkehrsunfall

Horstmar, Alst (L 550)

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