"Achtung! Vermutlich radioaktive Stoffe am Unfallort!", lautete der erste Funkspruch nach Alarmierung des Löschzugs Leer zu einem Verkehrsunfall an der Dorfstraße. Umgehend wurden überörtliche Kräfte der ABC-Gefahrenabwehr zur Einsatzstelle nachalarmiert, während die Besatzung des LF 20 aus Leer mit der Befreiung einer eingeklemmten Person und der Betreuung weiterer am Unfall Beteiligter begann.

An diesem Abend handelte es sich glücklicherweise nur um die Übung eines möglichen Ernstfalls mit Beteiligung radioaktiver Gefahrstoffe am Unfallort. Unmöglich ist dieses Szenario aber nicht: Auch, wenn wohl keine nuklearen Abfälle aus Kernkraftanlagen durch das Stadtgebiet fahren werden, können durchaus nuklearmedizinische Präparate oder Prüfeinrichtungen mit radioaktiven Strahlenquellen über die einheimischen Straßen transportiert werden.

Noch vor Eintreffen der überörtlichen Spezialkräfte, die bei dieser Übung durch gleichwertig ausgebildete Einsatzkräfte aus Leer gestellt werden konnten, begann die sofortige Rettung der Unfallopfer nach der GAMS-Regel, da offensichtlich Pakete mit radioaktivem Inhalt zerstört auf der Straße lagen. Diese Regel besagt:

1. Gefahr erkennen (und nachrückende Kräfte warnen),
2. Absperren, gleichzeitig
3. Menschenleben retten und
4. Spezialkräfte nachfordern.

Die Einsatzkräfte arbeiteten zunächst technisch gesehen wie bei einem gewöhnlichen Verkehrsunfall mit eingeklemmter Person, allerdings hier mit angelegtem Atemschutzgerät zur Eigensicherung für die vorgehenden Trupps, um eine Aufnahme der Gefahrstoffe in den Körper auszuschließen. Außerdem wurde die Einsatzstelle großräumig abgesperrt, um den Zutritt für Unbeteiligte zu unterbinden. Währenddessen bauten die ABC-Spezialeinheiten mit Unterstützung der zusätzlichen Kameraden aus Leer einen Kontaminationsnachweisplatz auf. Dieser wurde benötigt, da alle im abgesperrten Gefahrenbereich eingesetzten Einsatzkräfte und verletzten Personen auf diesem Platz auf Kontamination überprüft und gegebenenfalls dekontaminiert werden mussten. Auf diese Weise wurde eine Kontaminationsverschleppung, also das unbewusste Mittragen von Gefahrstoffen über die Einsatzstelle hinaus, verhindert.

Brandoberinspektor Frank Wenking, der hauptberuflich am Institut der Feuerwehr in Münster Führungskräfte der Feuerwehr ausbildet, hatte die Übung für seine Kameraden ausgearbeitet und vorbereitet. Er zeigte sich nach Abschluss zufrieden mit der Leistung der eingesetzten Einheits- und Fahrzeugführer und der vorgegangenen Trupps.

Letzter Einsatz

Amtshilfe für den Rettungsdienst

Horstmar-Leer, Laustiege

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